Exkursion der 4AHITN zur Gedenkstätte Steinhof

"Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart." - immer noch unvergessen sind diese prägenden Worte des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard Weizsäcker in seinem Appell für eine nachhaltige und lehrreiche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.

Die 4AHITN verschloss ihre Augen nicht, sondern besuchte Mitte April die Gedenkstätte „Am Steinhof“ im 14. Wiener Gemeindebezirk.

In einem lehrreichen Vortrag, organisiert vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, wurden die SchülerInnen in die dunkle Geschichte der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ - dem heutigen Otto-Wagner-Spital - eingeführt. In den Jahren nach dem „Anschluss“ wurde die Pflegeanstalt zum Wiener Zentrum der nationalsozialistischen Tötungsmedizin; einem Zentrum, an dem tausende Menschen den Vorstellungen der Nationalsozialisten von „Rassenhygiene“ und der „Ausmerzung minderwertigen Lebens“ zum Opfer fielen. Den emotionalen Mittelpunkt des Vortrages bildete die Thematisierung der sogenannten Kinderfachabteilung „Am Spielgrund“. Rund 800 kranke und behinderte Kinder und Jugendliche musste hier ihr Leben lassen.

 

Abseits des Vortrags wurde den SchülerInnen die Möglichkeit geboten, die Gedenkstätte auf sich wirken zu lassen; Ausgrabungen zu betrachten; sich mit nationalsozialistischen Propagandamitteln auseinanderzusetzen sowie zahlreiche Originalquellen wie „Rassenkarten“, Instrumente zur Körpervermessung und zeitgenössische Dokumente zu begutachten.

 

Einen für die SchülerInnen mehr als nachdenklich stimmenden Abschluss bildete der Verweis auf die Nachkriegsgeschichte der Anstalt „Am Steinhof“ bzw. wie unbehelligt ehemalige TäterInnen und Täter Karriere in der Zweiten Republik machen konnten, wie etwa die Causa um den bereits verstorbenen Wiener NS-Arzt Heinrich Gross aufzeigt.

Vor diesem bedauerlichen Hintergrund bekommen die weiterführenden Worte Weizsäckers „[w]er sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren […]“ umso mehr Gewicht.
Die 4AHITN beschloss daher, mit der Besichtigung der Gedenkstätte „Am Steinhof“ einen kleinen, aktiven Beitrag zur Erinnerung an das dunkelste Kapitel unser Geschichte zu leisten.