Bundesministerin Mag.a Dr.in Iris Rauskala mit unseren ehemaligen Schülern am Tag der offenen Tür, 26.10.2019. Foto: BMBWF

Bericht von Dipl.-Ing. Dr. Alfons Kurt Machinek
HTL-Wien Ottakring, Abteilung Maschinenbau

Die Schüler Niklas Pasterniak und Philip Schwarzenecker der 5AHMBT 2018/19 haben mit ihrer Diplomarbeit "Snowboardbindung - The Missing Link" in mehreren Vorrunden des österreichischen Wettbewerbs "Jugend Innovativ" hunderte andere Einreichungen hinter sich gelassen, das Bundesfinale erreicht und dort am 6. Juni 2019 den zweiten Platz errungen.

Neben weiteren Erfolgen (siehe unten) ist vor allem die Einladung zum Tag der Offenen Tür im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) zu erwähnen. Frau Bundesminister Mag.a Dr.in Iris Rauskala interessierte sich persönlich für diese Arbeit, siehe Bild.

 

 

 

Erfolgreiche Fahrversuche im Februar 2019 mit Fahrer Niklas Pasterniak. Foto: Philip Schwarzenecker

Bereits im Februar 2019 erfolgten die ersten Fahrversuche, die sehr erfolgreich waren.

Die Hauptmerkmale

- bedienungsfreies Einsteigen, einfaches Aussteigen, kein Hinsetzen
- gute Boardführung am Schlepplift

kamen voll zur Geltung.

Dies ist aber nur ein Teil des Potentials der Bindung. Vor allem an der Lawinensicherheit (Auslösen in der Lawine) wird in Zukunft gearbeitet, was dieser Erfindung wohl einige Türen öffnen wird.

 

Damit gehört diese Arbeit zu den innovativsten Spitzenleistungen von Österreichs Schülerinnen und Schülern.

Diese Leistung ist sensationell, besonders auch insofern, als hinter unseren beiden Schülern kein routiniertes Betreuerteam in Sachen Wettbewerbseinreichungen steht - sie agieren vollkommen selbständig. Sie konnten die Jury von "Jugend innovativ" und die gesamte Organisation durch Inhalte und Auftreten überzeugen, und wie man sieht, geht der Erfolgslauf weiter.

Die beiden Schüler gewannen mit ihrer Arbeit einen Geldpreis 1500 € und einen Reisepreis zur Nürnberger Erfindermesse IENA 2019 (31.10.-4.11.), bei dem alle Kosten übernommen werden.

Die Bindung wird im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten (Bundesheer, Zivildienst) laufend weiterentwickelt:

 

Modell mit modifizierter Grundplatte, HTL Ottakring im Oktober 2019. Foto: Kurt Machinek

Neues einstellbares Federnsystem, HTL Ottakring im Oktober 2019. Foto: Kurt Machinek

 

Bei der Erfindung handelt es sich um eine „Step-in“-Snowboardbindung, die mit jedem Soft-Boot kombinierbar ist, Niedersetzen beim An- und Abschnallen überflüssig macht und am Schlepplift exakte Boardführung erlaubt.

Die Entwicklung ist mittlerweile patentiert. Sie arbeitet mit zwei Platten, eine am Schuh, die anderen am Board und einem System von kinematischen Verriegelungen mit Bowden-Zügen und Seilen.

Sie hat ihre Wintertauglichkeit bei Tests am Nassfeld bereits bewiesen. Durch Fernauslösung vom Oberschenkel aus ist ein Lösen vom Board in einer Lawine möglich - ein entscheidender Sicherheitsfaktor abseits der Piste, der in Zukunft weiter entwickelt wird.

Und wie kam dieser große Erfolg zustande?
Bereits in der 4. Klasse sprachen mich die beiden Schüler auf ihr Vorhaben an. Als Mechanik-Lehrer der Klasse und Schifahrer/Snowboarder sollte ich ihre Entwicklungen begleiten. Als weiteren Betreuer gewannen sie unseren Werkstättenlehrer Ing. Georg Schwab, der wie kein zweiter die Snowboard-Szene kennt.

Von Anfang an fiel auf, dass diese beiden Schüler voll von Enthusiasmus für diese Arbeit waren und offenbar ein kongeniales Team bildeten. Egal, von wem eine Idee kam, sie wurde sofort diskutiert, notiert, gezeichnet oder auch verworfen oder für später aufgehoben. Wir Betreuer mussten kaum etwas vorgeben, sondern die Ideen sprudelten nur so aus den Köpfen der beiden Snowboard- und entwicklungsbegeisterten Schüler.

Es wurde – ohne jemals nachzulassen – die neue Bindung ausgedacht, konstruiert, gefertigt und getestet. Die Schüler führten ein Skizzenbuch, in dem alle Ideen per Handzeichnungen chronologisch festgehalten wurden. Das ist absolut professionelles Konstrukteurs-Niveau und für Schüler in Ausbildung ungewöhnlich.

Die Bindung wurde natürlich auch in einem 3D-CAD-System visualisiert - nicht zuletzt, um die Funktion für weniger Eingeweihte diskutieren zu können.

 

Arbeiten am neuesten Modell der Bindung. HTL Ottakring, Oktober 2019. Foto: Kurt Machinek

CAD-Modell der Bindung. Erstellt von P. Schwarzenecker und N. Pasterniak.

Die Bindung, Stand 26.10.2019. Foto: Kurt Machinek

 

Sie machten Materialtests mit den vorhandenen Möglichkeiten der Schule, aber auch zu Hause mit dem Tiefkühlfach. Natürlich gibt es hier auch Eltern, die mit voller Kraft hinter ihnen standen und stehen.

Die Begeisterung der beiden Schüler für ihr Projekt war von Anfang an "ansteckend" und ließ auch bei Rückschlägen nicht nach. Die Arbeitszeit in der Schule ging oft in die späten Abendstunden hinein. Aber diese beiden Gehirne arbeiten ohnehin auch im Schlaf weiter.

Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte

Mittlerweile sind die Entwicklungen patentiert und es werden die Erfahrungen aus dem Praxistest in die nächste Modell-Generation eingearbeitet, siehe Bilder.

- Pasterniak und Schwarzenecker wurden vom Bildungsministerium eingeladen, ihre Erfindung am Nationalfeiertag (26.10., Minoritenplatz) zu präsentieren. Frau Bundesminister Mag. Dr. Iris Rauskala kam persönlich zum Stand.

 

Im Bildungsministerium, 26.10.2019. Foto: BMBWF

Die Erfinder mit Betreuer Prof. Machinek. Foto: Frau Schwarzenecker

 

 

- Auf der erwähnten großen Erfindermesse IENA in Nürnberg sind die beiden - für sie kostenfrei - eingeladen, ihre Erfindung einem breiten internationalen Publikum vorzustellen.

- Mit dem Ansuchen um Förderung durch den AWS (Austria Wirtschaftsservice des BM für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort), wo die beiden seit dem Auftritt bei "Jugend innovativ" wohlbekannt sind, sind sie bereits bis ins im Finale vorgedrungen.

- Die Bewilligung des Ansuchens um Patentförderung (10.000€) ist in fortgeschrittener Phase und recht wahrscheinlich.